Altenessen-Karnap: Neues Gemeindezentrum soll Ort für alle Menschen und Religionen sein

„Der Herr behüte alle, die an diesem Haus bauen – mit ihren Händen, ihren Plänen und Ideen. Der Herr segne alle, die den Bau dieses Hauses begleiten – im Gebet, mit Unterstützung, mit Freude und Begeisterung. Der Herr segne alle, die in diesem Haus einmal ein- und ausgehen werden. Der Herr segne die künftige Arbeit in diesem Haus, auf dass sie hinaus strahlt zu den Menschen im Stadtteil und sie immer wieder aufs Neue einlädt.“

Diese Segensworte sprach Pfarrer Axel Rademacher, Vorsitzender des Presbyteriums unserer Evangelischen Kirchengemeinde Altenessen-Karnap, am Vormittag bei der Grundsteinlegung für das neue, ebenso kleine wie feine Gemeindezentrum am Mallinckrodtplatz. Für die Evangelische Kirchengemeinde Altenessen-Karnap geht ein lange gehegter Traum in Erfüllung. Zusammen mit dem Grundstein wurden Zeichnungen der Kindergartenkinder, ein Gemeindebrief und weitere Gaben in das Fundament eingelassen.

Was bereits vor etwa zehn Jahren mit ersten Überlegungen begann, wird nun endlich Realität: Die Ausschachtung für das Fundament hat begonnen, auch ein Kran steht schon bereit – nach einer rund einjährigen Bauzeit soll der Neubau, der das Walter-Wolff-Gemeindehaus in der Karl-Denkhaus-Straße ersetzt, eingeweiht werden. Das alte Gemeindehaus war der Kirchengemeinde schon lange zu groß und zu teuer in der Unterhaltung geworden: So werden die Räume für die Gemeindeverwaltung seit der Gründung eines gemeinsamen Gemeindeamtes für alle Gemeinden im Kirchenkreis Essen nicht mehr benötigt und stehen bis auf ein kleines Gemeindebüro leer; die Diakoniestation hat ihren Standort nach Borbeck verlegt. Durch die deutliche Verringerung der Nutzfläche (Walter-Wolff-Gemeindehaus: 2.599 m², neues Gemeindehaus: 522 m²) erwartet die Kirchengemeinde daher umfangreiche Einsparungen bei den Unterhaltungskosten.

In einem Architektenwettbewerb, den die Kirchengemeinde Altenessen-Karnap im Jahr 2014 durchgeführt hat, setzte sich der Entwurf des Essener Architekturbüros Heinrich Böll durch. Das neue, ebenerdige und barrierefrei nutzbare Gemeindezentrum wird aus drei Bauteilen bestehen, die zu einem gemeinsamen Innenhof orientiert sind – sie integrieren auf diese Weise mehrere Aufgabenbereiche, ohne dass es zu einer Beeinträchtigung kommt. Der östliche Bauteil ist für die Jugendarbeit und den Konfirmandenunterricht vorgesehen und hat einen separaten Eingang, der bei Bedarf genutzt werden kann. Der nördliche Trakt dient für gemeindliche Angebote, Veranstaltungen und Versammlungen; der Gemeindesaal kann unterteilt werden und verfügt auch über eine kleine Bühne. Der westliche Teil wird für die Kleiderkammer und ein Gemeindebüro genutzt, in dem außerdem die Sprechstunden der Evangelischen Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familie und Sexualität stattfinden. Die Dächer der Bauteile neigen sich zum Innenhof hin, der sich nach Süden, mit einer leichten Drehung zur Alten Kirche, hin öffnet. Wie die Alte Kirche wird auch die Fassade des neuen Gemeindezentrums aus Backstein gemauert. Die innere Fassade ist durch transparente Fluren und eine große Glasfront im Innenhof charakterisiert – auf diese Weise öffnet sich das Gebäude hell und einladend in den Stadtteil Altenessen hinein. Auch ein modernes Beleuchtungskonzept ist Teil der Planung.

Die Gesamtbaukosten in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro finanziert die Kirchengemeinde Altenessen-Karnap aus Rücklagen, aus einem Darlehen sowie aus Einnahmen, die in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Immobilien- und Grundstücksverkäufen (Trinitatiskirche mit Pfarrhaus, Altentagesstätte und Pfarrwohnung in der Neuessener Straße, Heinrich-Held-Haus am Palmbuschweg u. a.) erzielt wurden. Zudem hat die Anneliese-Brost-Stiftung ihr Interesse bekundet, das Walter-Wolff-Gemeindehaus zu erwerben und in ein „Haus der neuen Welt“ umzubauen. Sollte dieser Plan umgesetzt werden, besteht eventuell sogar die Hoffnung, dass die Stadtteilangebote der NEUEN ARBEIT der Diakonie und die Probenräume für verschiedene musikalische Gruppen, für die im neuen Gemeindezentrum kein Platz ist, als Mieter am bisherigen Standort verbleiben könnten. Doch wie auch immer: Die Vorfreude auf das neue Gemeindezentrum ist in der Gemeinde groß. Axel Rademacher weiter:

„Nun wird er gelegt, der Grundstein. Das ist zuerst Beton. Grundstein – das sind aber auch die Menschen, die dieses Haus lebendig machen durch ihre Arbeit, durch ihre Ideen und ihre Begegnungen, die lebendigen Steine, die der Hülle Atem, Puls und Leben geben. Grundstein – das ist nicht zuletzt der Glaube, der Geist, in dem dieses Haus gebaut wird. Ein Glaube, der die Menschen hier im Stadtteil miteinander verbindet: Protestanten und Katholiken, Christen, Hindus und Muslime, Buddhisten, Bahai und viele andere – selbst diejenigen, die glauben, dass der Glaube nichts hilft. Hier, an diesem Ort, wollen wir den Menschen im Geist der Menschenfreundlichkeit Gottes ein offenes und lebendiges Miteinander in und für diesen Stadtteil und darüber hinaus ermöglichen.“ Herzlichen Glückwunsch, Glück auf und Gottes Segen!

Quelle: Evangelische Kirche in Essen, www.kirche-essen.de